Domainskandal

Die ungerechte Vergabe von ein- und zweistelligen .de Domains

Warum die Domain Catch-Pools wettbewerbswidrig waren

Posted on | Oktober 28, 2009 | 3 Comments

Die Denic ist eine Genossenschaft und besteht aus 274 Mitgliedern. Es handelt sich hierbei um eigenständige Firmen, die Ihre Dienste im Bereich der Domainregistrierung anbieten und somit in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Jeder der eine .de Domain haben möchte, muss sich an eines dieser Denic Mitglieder wenden oder an einen Anbieter, der die Dienste eines dieser Denic Mitglieder in Anspruch nimmt. Letzen Endes landen jedoch sämtliche Domainwünsche bei einem dieser 274 Denic Mitglieder.

Anhand der festgelegten Vergabeprozedur standen den einzelnen Denic Mitgliedern jeweils lediglich 4 Anträge pro Minute zur Verfügung. Damit sollten Sie gegeneinander um eine eher geringe Anzahl Domains antreten.

So wäre die Normale Vorgehensweise:

Jeder der eine dieser Domains haben möchte, bestellt diese direkt oder über seinen Provider bei einem Denic Miglied seiner Wahl. Dieser versucht ganz korrekt diese Domain für seinen Kunden zu bekommen und steht dabei in Konkurrenz mit weiteren 273 Firmen, die z.T. die gleiche Domain für andere Kunden registrieren wollen. Einer wird am Ende erfolgreich sein und reicht die Domain an seinen Kunden weiter.

Der Ist Zustand:

Wie auch im wirklichen Leben, trifft der Idealfall selten zu. Zum einen gibt es Kunden, die eine oder mehrere Domains "unbedingt" haben möchten und versuchen diese über möglichst viele Registrare zu bestellen und zum anderen wissen die meisten Denic Mitglieder, dass viele dieser Domains einen hohen Wert im späteren Domainhandel haben werden. So entsteht eine immense Anzahl Domains, die mehrfach bestellt werden. Ich würde sogar behaupten, dass so gut wie alle Registrare, die die Ihren Kunden die Möglichkeit der Vorbestellung gegeben haben, am Ende jeweils identische rund 1.000 Domains auf der Liste hatten. Weitere ca. 1.830 Domains standen ebenfalls auf den Listen von sehr vielen Registraren. Sprich, die Listen der zu bestellenden Domains waren bei den meisten Denic Mitgliedern fast identisch.

Die Bildung der Catch Pools

Wie bereits gesagt, viele Registrare haben sofort erkannt, dass es sich hier um wertvolle Wirtschaftsgüter handelt. Da es auch einige Denic Mitglieder gibt, die sich im Bereich Domainhandel sehr gut auskennen, sind wohl bereits am 15.10. viele Telefonleitungen heißgelaufen. Einige Denic Mitglieder, die zudem noch technisch entsprechend ausgestattet waren, haben versucht gemeinsam mit anderen "Kollegen" eine erfolgsversprechende Gemeinschaft zu bilden. Einige Denic Mitglieder haben zudem Ihre Zugangsberechtigung verkauft, es gab sogar entsprechende eBay Versteigerungen, andere haben bloße Startplätze ohne jede Erfolgsgarantie verkauft. Die Liste lässt sich beliebig erweitern und viele Denic Mitglieder waren dabei sehr "kreativ". Vieles, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, kann man nur erahnen.

Fakt ist, dass so ein Catch-Pool, wenn richtig verwaltet, enorme Vorteile gegenüber allen Einzelkämpfern hat. Davon gab es mehrere: Einerseits die "SEDO Partner Registrare", vermutlich 10 bis 20 Denic Mitglieder, TEC-MEDIA-SERVICE mit vermutlich 30 bis 50 Denic Mitgliedern, sowie einige kleinere.

Warum hatten die Catch Pools Vorteile?

Die Catch Pools konnten ihre Vorteile ausspielen, indem die Registrierungslisten strategisch klug miteinander optimiert werden konnten. Ein Fallbeispiel: Während fast jeder Registrar Domains wie it.de, pc.de, tv.de, t.de usw. auf der Liste hatte, und meist auch eines der vorderen Plätze dafür "verspielt" hat, brauchte beispielsweise ein 50er Pool diese Domains lediglich ein Mal zu versuchen. Alle anderen Catch-Pool Teilnehmer konnten sich auf weitere Domains konzentrieren, die die Einzelkämpfer erst mit späteren Listenplätzen versucht haben und dabei ebenfalls "verspielt" haben, da sie inzwischen vom Catch-Pool bereits bestellt waren.

Diese Ressourcen Bündelung und Optimierung der Catch-Pools war sicherlich clever und vor allem auch effektiv, sie geschah jedoch auf dem Rücken der "normalen" Teilnehmer, die somit keine Chancengleichheit hatten wertvolle Domains für sich oder Ihre Kunden  zu bekommen. Wenn man bedenkt, dass man normalerweise davon ausgehen kann, dass all diese Denic Mitglieder in Wettbewerb zueinander stehen, ist hier eine deutliche Wettbewerbsverzerrung zu erkennen, die durch Zusammenarbeit zwischen konkurrierenden Unternehmen zustande kommt. Dies ist  auch eines der wichtigsten Punkte, die das Bundeskartellamt sehr genau unter die Lupe nehmen sollte.

Zudem sind die Absichten inzwischen klar nachvollziehbar. Ein Blick in die Inhaberdaten vieler Domains zeigt eine Menge Verlagerungen ins Ausland, z.T. sogar eigens für einzelne Domains gegründete Firmen sind dabei.

Comments

3 Responses to “Warum die Domain Catch-Pools wettbewerbswidrig waren”

  1. Huschi
    Oktober 29th, 2009 @ 21:39

    Sorry aber ich kann den Artikel nicht ernst nehmen.
    Es ist letztendlich etwas seltsam gelaufen, das gebe ich zu. Aber nur auf den „Catch-Pools“ rum zureiten halte ich für ausgemachten Schwachsinn.
    In Deinem Leitartikel beschreibst Du doch selber, dass die Pools einen gewaltigen Vorteil für alle Beteiligten hatten. Also warum nicht einem Pool beitreten?

    Das (Bundes- [so viel Zeit muss sein])Kartellamt darauf an zusetzten ist ebenfalls an langen Haaren herbei gezogen.
    Dazu aus Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Wettbewerbsbeh%C3%B6rde):
    „Ursache für die Schaffung von Wettbewerbsbehörden bildet die Überlegung, dass Machtkonzentrationen als Form von Marktversagen zu volkswirtschaftlich ineffizientem Ressourceneinsatz, sowie zu unerwünschten Verteilungswirkungen führen können.“

    1. „Machtkonzentration“ hätten wir wenn es nur einen Pool mit einem Leiter gegeben hätte.
    Es gab aber mehrere Pools mit unterschiedlicher Leitung!

    2. Von „Marktversagen“ und „ineffizientem Ressourceneinsatz“ kann ebenfalls nicht die Rede sein.

    3. Bleibt nur „unerwünschten Verteilungswirkungen“.
    Aber auch nur unerwünscht bei irgendwelchen Idioten, die meinten sie hätten Chancen beim großen Spiel dabei zu sein.

    Dann redest Du auch noch von „Firmen in direkter Konkurrenz zueinander“. Diese Firmen haben aber eins gemein: sie sind alle Mitglieder der Genossenschaft DENIC. Und als Solche haben die Pool-Mitglieder hier gehandelt: als Genossenschaft (== Pool).
    Dazu wurde bekannt, dass die Pool-Mitglieder wahrscheinlich ansprechende Geldsummen aus dem Pool erwirtschaftet haben. Dieses Geld wurde nicht irgendwelchen Endverbrauchern aus der Tasche gezogen sondern stammte vom jeweiligen Pool-Leiter. Das ist keine „Wettbewerbsverzerrung“ oder „unerlaubte Absprache“ sondern wirtschaftliches Denken und Handeln.

    Warum „TEC-MEDIA-SERVICE“ soviele Domains erhalten konnte kann auch eine mathematische Grundüberlegung gewesen sein:
    Statt direkt den Versuch sich eher beliebtere Kürzel (z.B. TV.de) zu sichern zu starten, könnten die direkt mit den „unwichtigeren“ angefangen haben. Dadurch ergibt sich ein Zeitvorteil von einigen Minuten gegenüber den Anderen.

    huschi.

  2. Nepo
    Oktober 30th, 2009 @ 18:30

    Hast schon gesehen? Der interne Bericht der Denic zum Launch der Kurzdomains: http://wikileaks.org/wiki/DENIC_Zusammenfassung_Einfuehrungs_und_Rollout_von_neuen_Domains,_28_Oct_2009

  3. Weitere Details zum Vergabe-Skandal der neuen .de Domains
    November 3rd, 2009 @ 14:26

    […] auf den Punkt und beschreibt in einem weiteren Beitrag korrekt und sehr plastisch die wettbewerbsverzerrende Wirkung der Pool-Bildung bei der jüngsten Vergabe, die jedoch nur eine Facette in dieser Farce darstellt. Die nun […]

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Die Vergabe von einstelligen Domains, zweistelligen Domains, Zifferndomains und KFZ- Kennzeichen Domains am 23.10.2009 war sicherlich ein Jahres-Highlight. Nur gab es leider sehr viele Ungereimtheiten bei der Vergabe. Hier versuchen wir alle Daten und Fakten wie auch Verdachtsmomente zu sammeln.

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