Domainskandal

Die ungerechte Vergabe von ein- und zweistelligen .de Domains

DENIC eG – Lauter braver Genossen

Posted on | Oktober 31, 2009 | 2 Comments

Einige Pleiten, Pech und Pannen, einige große Gewinner, viele große Verlierer. Zusätzlich zur Raffinesse einiger Denic Mitglieder, die sich durch eine aüßerst umstrittene Domain Catch-Pool Bildung Wettbewerbsvorteile verschaffen haben sind nun einige brisante Informationen über technische Pannen bekannt geworden.

Dabei liegt die Brisanz nicht unbedingt darin, dass es überhaupt technische Probleme gegeben hat, sondern eher in der Tatsache, dass die Denic samt ihrer braven Genossen diese Tatsachen auf biegen und brechen geheimhalten wollten. Wie es so  unter Genossen üblich ist, man schweigt und die Benachteiligten erhalten dafür eine "finanzielle Entschädigung". Komisch, diese Beschreibung käme mir eher als Definition für andere Hauptwörter in den Sinn. Eine Vetternwirtschaft kümmert sich also um die Vergabe von .de Domains, ein so wichtiges Allgemeingut aller Deutschen.

Oops, das alles dürfen wir doch gar nicht wissen! Wir sind doch das normale Fussvolk! Wir sollen brav zahlen und den Mund halten! Nur Pech, dass einer dieser ach so braven Denic Genossen wohl doch nicht so brav war. Irgenwie ist ein internes Papier zu Wikileaks gelangt, was es eigentlich gar nicht geben dürfte. Die Rede ist von einem Internen Dokument Ergebnisse der Einführungsphase und des RollOuts 1-,2-stelliger und numerischer Domains, was ausschließlich an stillschweigende Denic Mitglieder verschickt wurde.

Inzwischen kann man in einem Bericht von Michael Friedrichs für Focus lesen, dass die Echtheit dieses Dokuments von Frau Sabine Dolderer, Vorstand der Denic eG, bestätigt wurde. Ihre Worte „Es ist bedauerlich, dass interne Papiere an die Öffentlichkeit gelangt sind“, düfte einer sehr abgemilderten Form ihrer tatsächlichen Ansicht entsprechen.

Das meiste wurde bereits zu genüge im oben genannten Focus Artikel und im Blog von Autor Michael Friedrichs dargelegt und braucht an dieser Stelle kaum wiederholt werden.

Es gab aber viele Denic Mitglieder, die Ihre Startplätze erfolgsunabhängig verkauft haben. Nun stellt sich aber die Frage, wer hat denn Geld von seinen Kunden kassiert, die entsprechenden Domains nicht bekommen, und bekommt jetzt zudem eine Ausgleichszahlung über die Denic?

Die Frage kann man noch weiter polemisieren:

  • Wer waren die Mitglieder der Catch Pools?
  • Wie sind diese mit Ihren Kunden umgegangen?
  • Haben sie vielleicht Geld von ihren Kunden kassiert und ihr Kontingent trotzdem an eines der Catch Pools verkauft?

Bei dieser undurchsichtigen Vetternwirtschaft neige ich dazu alles für möglich zu halten. Siehe Denic Bericht Punkt 8.2.1:

8.2.1 Poolbildung

Einige DENIC-Mitglieder scheinen sich während der Einführungsphase zu Pools zusammengeschlossen zu haben, um durch Aussortieren von Dubletten den gemeinsamen Registrierungserfolg zu maximieren. Wie viele Pools es gab mit wie vielen Mitgliedern teilgenommen hatten, ist nicht bekannt.

Es kam aber vor, dass Mitglieder über ihre IP-Adresse Auftragsmail anderer Mitglieder schickten, genauso wie es dem Anschein nach vorkam, dass Mitglieder, zwar die eigenen Auftragssignierung nutzen, aber die Aufträge im Vorfeld zur Erhöhung der gemeinsamen Chancen abstimmten.

Beide Vorgehensweisen sind seitens DENICs nicht grundsätzlich ausschließbar, da es sich um Verhaltensweisen handelt, welche im Verantwortungsbereich der jeweiligen Mitglieder liegen. Seitens DENIC wurde allerdings sichergestellt, dass nur von jedem Mitglieder nur eine von diesem mitgeteilte IP-Adresse (signiert mit dem Master-Key des Mitglieds) und nur Aufträge, welche von einem Mitglied signiert waren, entgegen genommen wurden.

Die Anzahl von RegAccs je Mitglied spielte keine Rolle.

An das Bundeskartellamt:

Der Denic scheint es egal zu sein, wer sich wie Vorteile geschaffen hat. Den einzelnen Genossen wohl auch, man muss doch zusammenhalten. Aber wie sieht es mit den Kunden aus? Wie sieht es mit Kunden aus, die für erfolgsunabhängige Startplätze bezahlt haben? Bringt bitte Licht ins Dunkel.

Warum die Domain Catch-Pools wettbewerbswidrig waren

Posted on | Oktober 28, 2009 | 3 Comments

Die Denic ist eine Genossenschaft und besteht aus 274 Mitgliedern. Es handelt sich hierbei um eigenständige Firmen, die Ihre Dienste im Bereich der Domainregistrierung anbieten und somit in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Jeder der eine .de Domain haben möchte, muss sich an eines dieser Denic Mitglieder wenden oder an einen Anbieter, der die Dienste eines dieser Denic Mitglieder in Anspruch nimmt. Letzen Endes landen jedoch sämtliche Domainwünsche bei einem dieser 274 Denic Mitglieder.

Anhand der festgelegten Vergabeprozedur standen den einzelnen Denic Mitgliedern jeweils lediglich 4 Anträge pro Minute zur Verfügung. Damit sollten Sie gegeneinander um eine eher geringe Anzahl Domains antreten.

So wäre die Normale Vorgehensweise:

Jeder der eine dieser Domains haben möchte, bestellt diese direkt oder über seinen Provider bei einem Denic Miglied seiner Wahl. Dieser versucht ganz korrekt diese Domain für seinen Kunden zu bekommen und steht dabei in Konkurrenz mit weiteren 273 Firmen, die z.T. die gleiche Domain für andere Kunden registrieren wollen. Einer wird am Ende erfolgreich sein und reicht die Domain an seinen Kunden weiter.

Der Ist Zustand:

Wie auch im wirklichen Leben, trifft der Idealfall selten zu. Zum einen gibt es Kunden, die eine oder mehrere Domains "unbedingt" haben möchten und versuchen diese über möglichst viele Registrare zu bestellen und zum anderen wissen die meisten Denic Mitglieder, dass viele dieser Domains einen hohen Wert im späteren Domainhandel haben werden. So entsteht eine immense Anzahl Domains, die mehrfach bestellt werden. Ich würde sogar behaupten, dass so gut wie alle Registrare, die die Ihren Kunden die Möglichkeit der Vorbestellung gegeben haben, am Ende jeweils identische rund 1.000 Domains auf der Liste hatten. Weitere ca. 1.830 Domains standen ebenfalls auf den Listen von sehr vielen Registraren. Sprich, die Listen der zu bestellenden Domains waren bei den meisten Denic Mitgliedern fast identisch.

Die Bildung der Catch Pools

Wie bereits gesagt, viele Registrare haben sofort erkannt, dass es sich hier um wertvolle Wirtschaftsgüter handelt. Da es auch einige Denic Mitglieder gibt, die sich im Bereich Domainhandel sehr gut auskennen, sind wohl bereits am 15.10. viele Telefonleitungen heißgelaufen. Einige Denic Mitglieder, die zudem noch technisch entsprechend ausgestattet waren, haben versucht gemeinsam mit anderen "Kollegen" eine erfolgsversprechende Gemeinschaft zu bilden. Einige Denic Mitglieder haben zudem Ihre Zugangsberechtigung verkauft, es gab sogar entsprechende eBay Versteigerungen, andere haben bloße Startplätze ohne jede Erfolgsgarantie verkauft. Die Liste lässt sich beliebig erweitern und viele Denic Mitglieder waren dabei sehr "kreativ". Vieles, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, kann man nur erahnen.

Fakt ist, dass so ein Catch-Pool, wenn richtig verwaltet, enorme Vorteile gegenüber allen Einzelkämpfern hat. Davon gab es mehrere: Einerseits die "SEDO Partner Registrare", vermutlich 10 bis 20 Denic Mitglieder, TEC-MEDIA-SERVICE mit vermutlich 30 bis 50 Denic Mitgliedern, sowie einige kleinere.

Warum hatten die Catch Pools Vorteile?

Die Catch Pools konnten ihre Vorteile ausspielen, indem die Registrierungslisten strategisch klug miteinander optimiert werden konnten. Ein Fallbeispiel: Während fast jeder Registrar Domains wie it.de, pc.de, tv.de, t.de usw. auf der Liste hatte, und meist auch eines der vorderen Plätze dafür "verspielt" hat, brauchte beispielsweise ein 50er Pool diese Domains lediglich ein Mal zu versuchen. Alle anderen Catch-Pool Teilnehmer konnten sich auf weitere Domains konzentrieren, die die Einzelkämpfer erst mit späteren Listenplätzen versucht haben und dabei ebenfalls "verspielt" haben, da sie inzwischen vom Catch-Pool bereits bestellt waren.

Diese Ressourcen Bündelung und Optimierung der Catch-Pools war sicherlich clever und vor allem auch effektiv, sie geschah jedoch auf dem Rücken der "normalen" Teilnehmer, die somit keine Chancengleichheit hatten wertvolle Domains für sich oder Ihre Kunden  zu bekommen. Wenn man bedenkt, dass man normalerweise davon ausgehen kann, dass all diese Denic Mitglieder in Wettbewerb zueinander stehen, ist hier eine deutliche Wettbewerbsverzerrung zu erkennen, die durch Zusammenarbeit zwischen konkurrierenden Unternehmen zustande kommt. Dies ist  auch eines der wichtigsten Punkte, die das Bundeskartellamt sehr genau unter die Lupe nehmen sollte.

Zudem sind die Absichten inzwischen klar nachvollziehbar. Ein Blick in die Inhaberdaten vieler Domains zeigt eine Menge Verlagerungen ins Ausland, z.T. sogar eigens für einzelne Domains gegründete Firmen sind dabei.

Um welche Domains geht es ├╝berhaupt?

Posted on | Oktober 28, 2009 | No Comments

Bei der Domainvergabe vom 23.10.2009 ging es darum folgende Domains möglichst gerecht zu verteilen:

  • Einstellige Domains
  • Zweistellige Domains
  • Zifferndomains
  • KFZ Kennzeichen Domains
  • Domains, die einer anderen TLD entsprechen

Die Anzahl Domains, die diesen Kriterien entsprechen geht natürlich wegen der Zifferndomains so ziemlich ins unendliche. Auch wenn man alle IDN (92 zulässige Sonderzeichen) mit einbezieht, ist die Zahl enorm. Daher sollten wir uns auf die Domains konzentrieren, die irgendwo einen "brauchbaren" Wert haben.

Es gibt 26 Buchstaben zuzüglich 3 sinnvollen Sonderzeichen (ä – ö – ü) und 10 Zahlen, also 39 einstellige Domains. Dem Folgen 676 zweistellige Buchstaben Domains (nicht IDN) und 165 Kombinationen mit Umlautvokalen. Die Kombination von diesen Buchstaben mit Zahlen inklusive zweistelligen Zahlen macht dann noch weitere 780 Domains. Hinzu kommen rund 170 dreistellige Domains, die KFZ-Kennzeichen oder anderen TLDs entsprechen. Wenn wir die dreistelligen Zahlen hinzuziehen ergibt sich eine Summe von 2.830 Domains. Die vier- und mehrstelligen Zahlen lassen wir mal außen vor, da sind zwar sicherlich interessante Zahlen dabei, aber es sind nicht unbedingt die Domains, um die die Registrare gekämpft haben.

Gekämpft wurde eher um einige wenige Domains, nennen wir sie mal Domains der ersten Kategorie, das sind generische Begriffe  wie bad.de, öl.de, tv.de, bar.de, gebräuchliche Abkürzungen wie it.de, pc.de, ra.de, andere TLDs und Länderkürzel wie com.de, net.de, at.de, us.de sowie sämtliche einstellige Buchstaben und Zahlen wie a.de oder 1.de. Vereinzelt kommen noch ein paar nur Zahlen Domains mit klarer Bedeutung wie z.B. 030.de oder 007.de. Insgesamt würde ich diese Domains der ersten Kategorie, also Domains die eigentlich fast jeder haben möchte, auf rund 150 Domains schätzen.

Danach kommen Domains, die ich hier als Domains der Zweiten Kategorie einschätzen würde. Darunter fallen so gut wie alle weiteren zweistelligen Domains ohne Umlaut, einige wenige Domains mit Umlaut, der Rest der bisher geschützten KFZ-Kennzeichen Domains und einige dreistellige Zahlen. Die Anzahl derartiger Domains würde ich auf ca. 1.000 einschätzen.

Alle anderen, beispielsweise viele Zahlen, Buchstabenkombinationen mit Sonderzeichen ohne generische Bedeutung usw. sind vielleicht aufgrund der Kürze für bestimmte Leute nicht ganz uninteressant, gehören aber sicherlich aus wirtschaftlicher Sicht in die Dritte Kategorie.

Die festgelegte Vergabeprozedur

Posted on | Oktober 27, 2009 | 1 Comment

Am 15.10.2008 wurden alle Denic Mitglieder über die bevorstehehende Freigabe von einstelligen Domains, zweistelligen Domains, nur Zifferndomains und KFZ-Kennzeichen Domains informiert. Noch am gleichen Tag wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht: Denic Pressemeldung

Um den Alltagsablauf nicht zu beeinträchtigen, hat Denic ein paralleles System für die Einführungsphase zur Verfügung gestellt. Dieses basierte auf der alten Mail (SMTP) Schnittstelle, die bis vor ca. drei Jahren der Standard war. Damit die Denic Mitglieder sich technisch darauf vorbereiten können wurde ein Testsystem implementiert.

Jedes Denic Mitglied, erhielt ab Freitag den 23. Oktober 2009 punkt 9:00 Uhr die Möglichkeit vier Registrierungsanträge (jeweils eine Domain) pro Minute zu stellen. Die Anträge wurden in der Reihenfolge nach dem Prinzip "First come, first served" abgearbeitet, wie sie an der Mail Schnittstelle der Denic angekommen sind. Der Zeitstempel war Millisekunden genau.

Fazit:

Theoretisch hatte jedes Denic Mitglied die gleichen Chancen seine Domains zu bekommen.

Es gibt bisher keine Anzeichen dafür, dass es seitens der Denic irgendwelche technischen Probleme gab, die die Reihenfolge der Domain Zuteilung beeinflüsst hätte.

Sollten einzelne Denic Mitglieder doch technische Probleme beobachtet haben, bitten wir diese hier zu melden, entweder als Kommentar weiter unten oder über unser Kontaktformular

Anmerkung:

An dieser Stelle möchten wir lediglich die festgelegte Vergabeprozedur erläutern und nicht bewerten.

Domainskandal.de geht an den Start

Posted on | Oktober 24, 2009 | No Comments

Der 23. Oktober 2009 war ein historischer Tag

An diesem Tag wurden die von der Denic bisher restriktiv behandelten Domains zur Registrierung freigegeben. Es handelte sich dabei um:

  • Einstellige Domains
  • Zweistellige Domains
  • Nur Zahlen Domains
  • Domains, die anderen TLDs entsprechen
  • Domains, die Kfz-Kennzeichen entsprechen

Der 23. Oktober 2009 war ein historischer Tag

An diesem Tag geschah sehr viel Unrecht. Ein äusserst ungerechtes Vergabeverfahren ließ dubiose Machenschaften einiger Domain Registrare (Denic Mitglieder) zu und führte dazu, dass einige wenige von dieser Aktion enorm profitiert haben während die breite Masse keine Möglichkeit hatte, etwas dagegen zu unternehmen.

DomainSkandal.de recherchiert und informiert.

DomainSkandal.de hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle verfügbaren Informationen zu diesem Skandal zusammenzutragen, damit rechtliche Grundlagen geschaffen werden können, diese Farce rückgängig zu machen und / oder gegebenfalls die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.

Jede art der Mithilfe ist willkommen.

Richard Martin

Domainskandal

Die Vergabe von einstelligen Domains, zweistelligen Domains, Zifferndomains und KFZ- Kennzeichen Domains am 23.10.2009 war sicherlich ein Jahres-Highlight. Nur gab es leider sehr viele Ungereimtheiten bei der Vergabe. Hier versuchen wir alle Daten und Fakten wie auch Verdachtsmomente zu sammeln.

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